Das sagt das Gesundheitsamt

14 Tage Quarantäne trotz Corona-Impfung: Rosenheimer Pfleger darf auch nicht arbeiten

Ensar Purivatra aus Rosenheim ist Krankenpfleger und bereits zweimal gegen das Coronavirus geimpft worden. Damit dachte er eigentlich, dass er vor Quarantäneanordnungen sicher wäre. Doch dann durfte er trotzdem 14 Tage lang nicht das Haus verlassen. Was Purivatra richtig sauer macht.

Rosenheim – Ensar Purivatra versteht die Welt nicht mehr. Eigentlich wollte der 25-Jährige nur seiner Arbeit nachgehen, als Pfleger bei der Mobilen Krankenpflege in Rosenheim und im Romed-Klinikum auf der Station der Inneren Medizin. Doch dann kam alles anders.

„Keine Vorteile durch den Wirkstoff“

Seine Ehefrau wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Die Folge: Das Gesundheitsamt ordnete eine 14-tägige Quarantäne an, sowohl für sie als auch für Purivatra und ihr einjähriges Kind – letztere als Kontaktpersonen ersten Grades. Und das, obwohl er bereits zum zweiten Mal geimpft worden war. „Was bringt es, wenn man sich impfen lässt, und dann trotzdem keine Vorteile dadurch hat?“, fragt der Krankenpfleger. Er habe nach der Diagnose seiner Frau einen Test gemacht, der negativ gewesen sei. Außerdem habe er keine Krankheitssymptome gehabt.

Dem Gesundheitsamt wirft er vor, dass sich nach der Quarantäneanordnung niemand mehr um sein Anliegen gekümmert habe. „Wir waren zu dritt in unserer kleinen Wohnung, das war schon schwierig. Aber es war egal, ob das Kind krank gewesen wäre und man zum Arzt gemusst hätte. Hauptsache man bleibt in Quarantäne, hieß es.“

Der Geschäftsführer der Mobilen Krankenpflege Rosenheim, Karsten Hoeft, zeigt Unverständnis für die Maßnahme des Gesundheitsamtes. Nennt sie „absurd“ und „nicht schlüssig“. Sie stelle den Sinn einer Impfung komplett infrage. Derartige Quarantäneanordnungen würden die Bürger verunsichern, die Motivation zum Impfen abschwächen und Impfgegnern zusätzliche Contra-Argumente liefern. „Vertrauensbildend ist solch ein Verhalten sicherlich nicht“, sagt Hoeft.

Das Rosenheimer Gesundheitsamt ist anderer Ansicht. Derzeit würden noch keine ausreichenden Belege dafür vorliegen, dass Menschen mit „vollständigem Impfschutz“ nicht infektiös sein könnten, erklärt Gesundheitsamtssprecherin Ina Krug auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Diese Einschätzung beruht auf der Tatsache, dass die bereits zugelassenen Covid-19-Impfstoffe – wie jede andere Impfung auch – keinen 100-prozentigen Schutz bieten.“

Das Warten auf die Herdenimmunität

Erst wenn die sogenannte Herdenimmunität durch ausreichend geimpfte Menschen erreicht werde, könne eine Weiterverbreitung des Virus durch Menschen, die den Wirkstoff bereits bekommen haben, „mit hinreichender Sicherheit“ ausgeschlossen werden. Bis die Herdenimmunität erreicht sei, müssten deshalb auch Geimpfte akzeptieren, dass ihre Freiheiten eingeschränkt werden. Wie zum Beispiel im Fall von Ensar Purivatra, der engen Kontakt zu einer Infizierten hatte.

Dass es regelmäßig vorkomme, dass auch bereits Geimpfte in Quarantäne müssen, bestätigt Sprecherin Ina Krug. Genaue Zahlen konnte sie auf Anfrage aber nicht nennen.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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