Zu früh geboren

Julian wog bei seiner Geburt in Traunstein nur 1230 Gramm, heute ist er ein Fußballtalent

Einst und jetzt: Links freuen sich Maria und Robert Disterer über die Geburt ihres Sohnes Julian. Das Bild rechts zeigt die immmer noch stolzen Eltern 18 Jahre später mit ihrem Sohn. Kliniken Südostbayern
+
Einst und jetzt: Links freuen sich Maria und Robert Disterer über die Geburt ihres Sohnes Julian. Das Bild rechts zeigt die immmer noch stolzen Eltern 18 Jahre später mit ihrem Sohn.

Der heute 18-jährige Julian Disterer kam viel zu früh auf die Welt und verbrachte seine ersten Lebenswochen in einem Brutkasten auf der Kinderintensivstation in Traunstein. Seine Eltern erinnern sich daran, wie gut sie sich im Klinikum betreut gefühlt haben und wollen anderen Eltern Mut machen.

von Ralf Reuter, Pressesprecher Kliniken Südostbayern

Traunstein – Julian Disterer ist als Frühchen im Klinikum Traunstein auf die Welt gekommen und musste dort zwei Monate auf der Kinderintensivstation verbringen. „Als wir jetzt seinen 18. Geburtstag gefeiert haben, ist uns wieder bewusst geworden, was das doch für ein riesengroßes Glück ist“, so seine Eltern Maria und Robert Disterer aus Tacherting. Sie wollen mit der Geschichte ihres Sohnes anderen Eltern von Frühgeborenen Mut machen.

Dass Julian am 8. März 2003 schon in der 26. Schwangerschaftswoche geboren werden würde, war zunächst nicht absehbar.

Virusinfektion: Geburt in der 26. Woche

„Es war eine unkomplizierte Schwangerschaft“, erinnert sich Julians Vater. „Ich habe mir eine Virusinfektion zugezogen, die sich im Gebärmutterhals festgesetzt und Wehen ausgelöst hat“, blickt Maria Disterer zurück. Ihr Frauenarzt habe ihr nach einer Routineuntersuchung gesagt, sie solle sofort alles Nötige zusammenpacken und ins Krankenhaus fahren.

Dort aber war der Infekt nicht mehr in den Griff zu bekommen und aus einem leichten Ziehen werden immer stärkere Wehen. Julian wurde per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Da wiegt der heute 1,93 Meter große und 90 Kilo schwere junge Mann bei einer Größe von 41 Zentimetern zwar immerhin schon 1280 Gramm, ist aber ein Fall für den Brutkasten.

Lesen Sie auch: Schwangere mit Corona: Mehr frühe Geburten

Nach der Geburt plagten die Eltern Ängste. Wird das Frühchen die Kraft haben, zu überleben? Ist es gesund? Wie wird es gedeihen? Die Disterers setzen ihr Vertrauen in die Mitarbeiter der Kinderintensivstation. „Das Schöne war: Kaum habe ich am Brutkasten gestanden, waren schon eine Krankenschwester oder ein Arzt bei mir und haben ausführlich berichtet, wie es Julian seit dem letzten Besuch ergangen ist“, erinnert sich die Mutter an diese Zeit.

Julian entwickelt sich besser und schneller als erwartet und kann schlussendlich schon drei Wochen vor dem geplanten Zeitpunkt – dem ursprünglichen Geburtstermin am 6. Juni – aus dem Klinikum entlassen werden. Engmaschiger als bei normal geborenen Kindern schauen Eltern, Hebamme und Kinderarzt auf das Gewicht des Frühchens. „Wir mussten ihn alle vier Stunden zum Essen wecken“, so Robert Disterer. Ein Osteopath arbeitet zusätzlich mit Julian. Nach zwei Jahren hat Julian alles aufgeholt, bei dem er ein bisschen später dran war als andere Kinder.

Spende als Dank

Heute absolviert der 18-Jährige eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker, ist Torwart bei der in der Landesliga spielenden U19 des Sportbundes Chiemgau in Traunstein. „Anlässlich Julians 18. Geburtstag haben wir der Kinderklinik im Klinikum Traunstein zum Dank dafür, dass er dort in besten Händen war, 1.000 Euro gespendet“, so das Ehepaar.

Darüber freut sich Dorothee Springer, Stationsleitung der Kinderintensivstation: „Unsere kleinsten Patienten verbringen Monate bei uns, das ist für die Eltern eine Ausnahmesituation. Ein wichtiger Teil unserer Aufgabe besteht darin, Ängste zu nehmen, Zuversicht zu vermitteln und eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der sich die ganze Familie wohl und geborgen fühlen kann.“ Privatdozent Dr. Gerhard Wolf, Chefarzt Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Traunstein, erklärt: „Die Entwicklung in der Frühgeborenen-Medizin ist rasant. Heute haben Frühgeborene eine bessere Überlebenschance als je zuvor.“

Lesen Sie auch: Ann-Kathrin Götze verrät erstmals Details: So dramatisch verlief die Frühgeburt von Baby Rome

Die allermeisten Kinder würden später ein ganz normales Leben ohne Beeinträchtigungen führen, so der Chefarzt. „Am Klinikum Traunstein sind wir mit der höchsten Versorgungsstufe in der Neonatologie dafür ausgerichtet, auch die kleinsten und kränksten Frühgeborenen zu behandeln. Unser Neugeborenennotarztdienst versorgt auch andere Kliniken. Unsere Forschungsergebnisse werden national und international veröffentlicht.“

Kommentare