Neue Wohnbebauung

43 Wohnungen statt einer - Anwohner in Mühldorf sorgen sich um alte Bäume und Verkehr

Das parkähnliche Grundstück ist aus der Luft gut zu erkennen: Wiese, hohe Bäume und am Ende ein Einfamilienhaus. Die Aufnahme zeigt aber auch, dass es in dem Gebiet schon heute mehrstöckige Mehrfamilienhäuser gibt.
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Das parkähnliche Grundstück ist aus der Luft gut zu erkennen: Wiese, hohe Bäume und am Ende ein Einfamilienhaus. Die Aufnahme zeigt aber auch, dass es in dem Gebiet schon heute mehrstöckige Mehrfamilienhäuser gibt.

Wieder geht es um große, alte Bäume, um viel mehr Wohnungen als derzeit und um zusätzlichen Verkehr und Lärm. An der Trostberger Straße in Mühldorf fürchten Anwohner neue Belastungen.

Mühldorf – Nachverdichtung ist das Stichwort, das in Mühldorf derzeit viele bewegt. Jetzt sollen an der Trostberger Straße in Mühldorf auf einem parkähnlich angelegten Grundstück vier Mehrfamilienhäuser mit Tiefgaragen und 43 Wohneinheiten entstehen. Noch sind die Pläne nicht konkretisiert, der Stadtrat hat zunächst mal ein Bauleitverfahren auf den Weg gebracht, an dessen Ende festgelegt sein wird, was auf dem Grundstück gebaut werden kann.

Neue Gebäude, viel mehr Verkehr

Uschi Schneiders Haus grenzt unmittelbar an das Grundstück, sie kennt das Viertel sehr gut. Sie steht auf der Rottstraße, auf der er es an diesem späten Vormittag sehr ruhig ist. In der Nachbarschaft steht der ehemalige Schwarzwirt, viele Einfamilienhäuser aber auch mehrstöckige Blocks mit vielen Wohnungen.

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Wenige Meter weiter rauscht der Verkehr über die Trostberger Straße, der wichtigsten Einfallstraße aus dem südlichen Landkreis. Die bringt auch Verkehr auf die parallel verlaufende Rottstraße. „Unsere Straße ist ein Schleichweg für alle, die morgens nicht im Staustehen wollen“, sagt Schneider.

Anwohner fürchten zusätzlichen Schleichverkehr

Sie nennt die Trostberger Straße eine „extrem verkehrsreiche Straße. Deshalb, so sehen es die ersten Pläne für das Baugebiet vor, sollen die neuen Häuser über die Rottstraße erschlossen werden. Mindestens 40 Autos sind das nach Schneiders Schätzung, die die Rottstraße zusätzlich belasten. Und schließlich an der oft verstopften Kreuzung mit der alten B 12 landen.

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Die Verkehrsregelung ist ein wichtiges Thema, sagten mehrere Redner im Stadtrat, der sich mit der Bebauung befasste. Stefan Schinko (Grüne) forderte: „Wir müssen die Verkehrssituation sehr genau betrachten. Man sollte die Ausfahrt nicht in das Wohngebiet machen.“

Vier Mehrfamilienhäuser statt einem Wohnhaus: So soll das Grundstück Trostberger Straße (links) und Rottstraße bebaut werden. Maier

Stadträte fordern andere Lösungen für Autos

Auch Oskar Stoiber (CSU) hält die Zunahme des Verkehrs für problematisch. „Wir brauchen ein ausführliches Verkehrsgutachten.“ Dr. Georg Gafus (Grüne) lehnte die Pläne wie derzeit vorgesehen schließlich ganz ab: „Ich finde die Bebauung von der Kubatur her inakzeptabel. Sie ist zu dicht.“ Thomas Enzinger (SPD) übte noch noch grundsätzlichere Kritik an Vorgehen vieler Bauherren. „Das war heute bei allen Bauvorhaben so“, sagte er über alle Anträge. „Man sollte den Bauherrn mal sagen, dass es nicht immer um die Maximalausnutzung gehen kann.“

Neuer Streit um Nachverdichtung

Damit geht der seit Wochen geführte Streit um Nachverdichtung in die nächste Runde. Für die Trostberger Straße sei noch nichts entschieden, sagte Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner. Sie erwarte, dass die Planer auch die Städtebauentwicklung im Blick haben. Bürgermeister Michael Hetzl (UM) betonte: „Das Verfahren steht erst am Anfang.“ Nachbarin Schneider beruhigt das nicht. Denn neben der zusätzlichen Belastung fürchtet sie auch um die ökologischen Folgen.

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Sie zeigt über die niedrige Mauer des Grundstücks auf eine Gruppe hoher, alter Bäume. „Dort leben viele Tiere“, sagt sie. Vögel, Igel, Fledermäuse, es sei ein richtiges Biotop. Ersatzpflanzungen für den Fall, dass „der wertvolle Altbaumbestand“ verschwinden müsse, könne die „Qualität dieses Ökosystems“ nicht wieder bringen.

Zwei Häuser müssen reichen

Grünensprecher Dr. Matthias Kraft forderte deshalb mit der Aufstellung des Bebauungsplans eine Veränderungssperre, damit die Bäume im Herbst nicht gefällt würden. Die wollte der Stadtrat nicht, er folgte der Einschätzung von Stadtbaumeisterin Weichselgartner. „Eine Veränderungssperre trifft nur bauliche Anlagen, die genehmigungspflichtig sind. Nicht Bäume.“

Große Mehrheit für neuen Bebauungsplan

Mit 22 zu sechs Stimmen brachte der Stadt die Erarbeitung eines Bebauungsplans auf den Weg, an dessen Ende auf jeden Fall eine intensivere Bebauung stehen dürfte. Denn der Stadtrat will in der Stadt eine dichtere Bebauung. Damit soll verhindert werden, dass Mühldorf immer weiter ausfranzt und Felder versiegelt werden.

Größere Häuser, mehr Verkehr, das Verschwinden des Gartengrundstücks: Für Uschi Schneider ist klar, dass die Wohnqualität im Viertel sinken wird. Das ließe sich nur verhindern, wenn der Stadtrat die Bebauung einschränkt. Zwei Häuser, zehn bis 15 Wohnungen, das hält Schneider für verträglich.

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