Varianten für Zukunft des Rathauses vorgestellt

Neubau am alten Standort mit "Ratskeller" und Wohnbebauung?

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So könnte ein Rathaus-Neubau am jetzigen Standort aussehen.
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Waldkraiburg - Große Zustimmung aus der Zuhörerschaft fand die Variante eines Neubaus des Rathauses am bisherigen Standort am Mittwoch bei einer Infoveranstaltung im Haus der Kultur. Nun muss der Stadtrat noch darüber entscheiden.

Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG)

"Bereits vor meinem Amtsantritt ging es schon einmal um die Fassade", erinnerte sich Erster Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG). "Dann ging es recht bald um das Thema der Tiefgarage. Hier entschieden wir uns bewusst dafür, an der Gesamtsituation etwas zu verbessern, statt nur punktuell etwas zu sanieren." 

von links: Bauamtsleiter Carsten Schwunk, Bürgermeister Robert Pötzsch, Stadtbau-Geschäftsführer Götz Kessler sowie Ingrid Dreer und Christian Böhm vom beauftragten Planungsbüro.

Bauamtsleiter Carsten Schwunk blickte dann auf die Arbeit der Bürgerwerkstätten beim ISEK zurück und erinnerte daran, dass vor allem dort die Idee für eine Neugestaltung von Stadt- und Sartrouvilleplatz sowie einen möglichen Abriss und Neubau des Rathauses aufgekommen sei. "Eine weitere Aufschiebung einer Lösung für die Zukunft des Rathauses ist aus rechtlichen Gründen ausgeschlossen", mahnte Schwunk, "Wir müssen uns für etwas entscheiden!"

Variante 1: Vollsanierung des Bestands

Die Unterschiede bei einer Fassadensanierung.

Ingrid Dreer und Christian Böhm vom beauftragten Planungsbüro gingen dann auf die drei Varianten für die Zukunft des Rathauses ein. Zunächst stellten sie die Möglichkeit einer Vollsanierung des Bestands ein. "Der Bedarf ist nun auch von diversen Ingenieurbüros bestätigt. Man müsste wirklich kernsanieren, bis auf den Rohbau runter. "

Die Eckdaten, sowie Vor- und Nachteile einer Sanierung stellen sich, laut den Planern, wie folgt da:

  • Es wären etwa 5660 Quadratmeter Geschossfläche zu sanieren. Ziel sei ein Gebäudestandart vergleichbar mit einem Neubau.
  • Es müsste außerdem die Tiefgarage saniert werden. Diese würde aber bei ihren alten Maßen bleiben und so beispielsweise für moderne, große Autos weiter schwierig bleiben.
  • Die Fassade wäre aus statischen Gründen nur mit einem außen aufzubringenden Wärmeverbundsystem sanierbar. Die momentanen Betonplatten und damit der jetzige Gebäudecharakter würden verschwinden.
  • Das Rathaus würde im Stadtzentrum bleiben, die aus Sicht der Planer städtebaulich unbefriedigende Situation mit dem "Höhensprung" zwischen Sartrouville- und Stadtplatz würde aber bleiben. 
  • Die Investitionskosten seien zwar 10-15 Prozent niedriger als bei den Neubauvarianten, mit dem alten Grundriss würden aber auch weiter hohe Betriebskosten bleiben. Auch bestünden hohe Umbaurisiken bei Zeit und Kosten.
  • Die Arbeiten würden etwa 14 Monate dauern, das Gebäude sei solange nur zur Hälfte nutzbar und es würde ein Ausweichbetrieb nötig werden.
  • Bei einer Entscheidung Mitte Dezember wäre ein Baubeginn im dritten Quartal 2020 möglich.

Variante 2: Abriss und Neubau beim Haus der Kultur

Der Plan für den Neubau an der Braunauer Straße.

Weiter ging es mit der Varianten eines Neubaus an der Braunauer Straße. Hier stellen sich die Eckdaten, sowie Vor- und Nachteile, laut den Planern, so da:

  • Das Grundstück ist im Eigentum der Stadtbau, welches einfach zu beplanen sei.
  • Es bestünden Synergieeffekte mit dem Haus der Kultur
  • Es würde ein vier- bis fünfgeschössiger Neubau mit 4000 Quadratmetern Geschossfläche, sowie ein Untergeschoss und eine Tiefgarage mit 30 Stellplätzen sowie zusätzlich eine neue Tiefgarage am Stadtplatz entstehen. 
  • Dieser Neubau sei dann besonders flächenoptimiert, was die Betriebskosten senken würde. 
  • Zwar bestünden Synergieeffekte mit dem Haus der Kultur, das Rathaus sei dann aber nicht mehr im Stadtzentrum und die Lage zu Verbrauchermärkten und einfachem Gewerbe "nicht optimal".
  • Vor allem würde ein anspruchsvolles Folgeprojekt am Stadtplatz entstehen und es gäbe hohe Baukosten durch die notwendige Tiefgarage.
  • Die Bauzeit würde dann etwa 24 Monate betragen, während der Betrieb im Alten Rathaus weitergehen könnte.
  • Möglicher Baubeginn wäre der Sommer 2021.

Variante 3: Neubau am bisherigen Standort

Der Plan für den Neubau am alten Standort.

Schließlich wurde noch als dritte Variante ein Neubau am jetzigen Standort vorgestellt. Hier stellen sich die Eckdaten, sowie Vor- und Nachteile, laut den Planern, so da:

  • Das heutige Rathausgrundstück würde abgebrochen und neu bebaut werden. Der Neubau würde etwa 3750 Quadratmeter beanspruchen und es würde eine neue öffentliche Tiefgarage mit etwa 75 Stellplätzen entstehen. 
  • Es würde eine städtebauliche Neuordnung des Areals stattfinden. Vorstellbar sei etwa ein Wohngebäude mit etwa 45 Wohnungen, Gewerbe und Gastronomie.
  • Das Rathaus würde im Zentrum bleiben und es gäbe eine barrierefreie Verbindung zwischen den beiden Plätzen. 
  • Der Neubau könnte architektonisch neue Maßstäbe und eine Identität setzen. 
  • Die Kosten wären etwa 10-15 Prozent mehr als bei der Sanierung und es gäbe technische Erschwernisse auf Grund der integrierten Lage. 
  • Die Bauzeit würde etwa 27 Monate betragen und in zwei Schritten erfolgen. Möglicher Baubeginn sei der Sommer 2021.
  • Auch hier sei eine Übergangslösung notwendig und die Baustelle wäre unmittelbar neben dem Rathausbetrieb. 

Planer und Zuhörer favorisieren Variante 3

Die dritte Variante war dabei klar der Favorit der Planer. Böhm und Dreer schwärmten von den Möglichkeiten der Ansiedlung einer "Ratskeller"-Gastronomie mit eigener Brauerei im Erdgeschoss des Rathauses und der Chance, mit einem selbstbewussten, neuen Architekturstil gleichsam dem Stadtzentrum eine neue Identität zu geben. Sie betonten dabei, der am Mittwoch vorgestellte Entwurf sei quasi nur ein Platzhalter. 

Per Handzeichen bekundeten die Zuhörer ihre Zustimmung zur dritten Variante

Auch aus dem Publikum kam im anschließenden Fragenteil überwiegend Zustimmung zur dritten Variante. Bei einer Abstimmung per Handzeichen stimmten dann auch die meisten dafür. Die zahlreichen anwesenden Stadträte aller Fraktionen nahmen dies für die Sitzung im Dezember zur Kenntnis.

Einige Fragen und Anregungen aus dem Publikum

Gerade dazu gab es aber auch einige Fragen. So gab es Bedenken von Anwohner, dass die geplante Gastwirtschaft die Lärmbelastung erhöhen könnte. Dem entgegnete Schwunk, dies sei bei den Planungen im Blick, die Gastronomie könnte bewusst so ausgerechnet, dass die Belastung für Anwohner minimal bleibe. Überhaupt, betonten auch die Planer, sei dies nur ein möglicher Vorschlag, auch andere Nutzungen des Rathaus-Erdgeschosses seien vorstellbar. Die Hauptsache sei, dass sich eine Nutzung finde, die das Zentrum zusätzlich belebt.

Bilder von der Infoveranstaltung am Mittwochabend

An der Wohnbebauung würde man allerdings auch aus städtebaulichen Fragen festhalten, auch wenn es dagegen auch Widerspruch aus dem Publikum gab. "Wie Innenstädte ohne Wohnnutzung ausschauen, können sie in München in der Kaufingerstraße abends ab Ladenschluss sehen. Da muss Wohnen stattfinden!", betonte Stadtbau-Geschäftsführer Götz Kessler.

Eine mögliche Vergrößerung des Stadtplatzes durch einen Wegfall einer der Straßen werde derzeit im Rahmen des ohnehin zu erstellenden Verkehrskonzepts geprüft, merkte Schwunk auf Zuhörerfragen an. Besonderen Applaus bekam dann noch ein Zuhörer-Beitrag: "Was vor allem wieder in die Stadtmitte gehört, ist der Maibaum! Da sollten sie auf jeden Fall dafür Platz einplanen!"

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