Aserbaidschan gegen Armenien

Krieg um Bergkarabach: Waffenruhe hält nicht - Erdogan erhebt Vorwürfe gegen USA, Russland, Frankreich

Der Konflikt in Bergkarabach schwelt seit vielen Jahren, doch seit über zwei Wochen herrscht Kriegszustand. Mesut Özil sorgt auf Twitter mal wieder für Aufsehen.

  • Der Konflikt in der Kaukasusregion Bergkarabach geht weiter.
  • Aserbaidschanische und armenische Streitkräfte halten sich nicht an die vereinbarte Waffenruhe.
  • Nun positioniert sich Fußballer Mesut Özil klar für eine Seite.

Update vom 18. Oktober, 22.00 Uhr: Im Konflikt um die Region Bergkarabach hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den USA, Russland und Frankreich vorgeworfen, Armenien militärisch zu unterstützen. „Sie leisten Armenien und den Armeniern jede Art von Waffenhilfe“, sagte Erdogan am Sonntag in Sirnak im Südosten der Türkei. Die drei Länder vermitteln in dem Konflikt als sogenannte Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Erdogan betonte erneut seine Solidarität mit Aserbaidschan. „Ich glaube daran, dass sie diese besetzten Gebiete von den Armeniern zurückerobern und befreien werden. Wir beten dafür.“ Im Konflikt um die Südkaukasus-Region war kürzlich eine Feuerpause vereinbart worden. Armenien und Aserbaidschan beschuldigten sich aber bereits in der Nacht zum Sonntag gegenseitig, die Waffenruhe verletzt zu haben. Erdogan warf Armenien vor, die Waffenruhe gebrochen zu haben.


Bergkarabach: Feuerpause brüchig - Armenien und Aserbaidschan beschuldigen sich gegenseitig

Update vom 18. Oktober, 12.40 Uhr: Im Konflikt um die Südkaukasus-Region Bergkarabach hat sich die am Samstag vereinbarte Waffenruhe erneut als brüchig erwiesen. Armenien und Aserbaidschan warfen sich in der Nacht zu Sonntag gegenseitig Verstöße gegen die nur wenige Stunden alte Feuerpause vor. „Der Feind“ habe Artilleriegeschosse und Raketen abgefeuert, teilte eine Sprecherin des armenischen Verteidigungsministeriums im Online-Dienst Twitter mit.

Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium in Baku warf wiederum den armenischen Streitkräften einen „groben Verstoß“ gegen die Vereinbarung vor. Das Ministerium berichtete von Artilleriebeschuss und Angriffen entlang der Grenze .Die beiden Konfliktparteien hatten sich erst am Samstagabend auf eine „humanitäre Waffenruhe“ geeinigt. Diese sollte ab Mitternacht gelten. Bereits seit der vergangenen Woche ist eine Waffenruhe in Kraft, die Gefechte hielten aber dennoch an.

Der seit Jahrzehnten andauernde Konflikt war Ende September nach einer Phase relativer Ruhe wieder voll entbrannt. Seit Beginn der Gefechte wurden bereits hunderte Menschen getötet, darunter auch dutzende Zivilisten.

Krieg um Bergkarabach: Mesut Özil mischt sich ein - Russisches Militärmanöver vor Aserbaidschan

Update vom 16. Oktober, 17.10 Uhr: Russland hat im Kaspischen Meer ein Militärmanöver begonnen: Nördlich von Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, nehmen demnach sechs Schiffe, sieben Flugzeuge und mehr als 400 Soldaten an der Übung teil; neben Artillerie sollen auch Raketen zum Einsatz kommen. Es sei keine Bedrohung für die Anrainerstaaten gegeben, teilte Russland mit. Die Übung findet jedoch inmitten der Krise um die Kaukasusregion Berg-Karabach statt. Bislang hat Russland lediglich auf eine Waffenruhe gedrängt.

Im Konflikt um die Region zwischen Aserbaidschan und Armenien ist Russland eigentlich Schutzmacht Armeniens, liefert aber auch Waffen an Aserbaidschan, das wiederum von der Türkei unterstützt wird.

Bergkarabach: Gefechte dauern trotz Appellen zur Waffenruhe an - Armenien meldet „massiven Beschuss“

Update vom 15. Oktober, 09.35 Uhr: Ungeachtet neuer Appelle aus Russland und der Türkei zur Einhaltung der Waffenruhe dauern die Gefechte in der Konfliktregion Bergkarabach im Südkaukasus an. Armenien meldete am Donnerstagmorgen einen „massiven Beschuss“ im Norden und Südosten der Region und machte dafür Aserbaidschan verantwortlich. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in der armenischen Hauptstadt Eriwan war die Lage in der Nacht „relativ stabil“.

Aserbaidschan sprach dagegen von einer „angespannten Situation“ in den Nachtstunden. Armenische Streitkräfte hätten versucht, aserbaidschanische Soldaten aus verschiedenen Richtungen an der Frontlinie anzugreifen, teilte das Verteidigungsministerium in der Hauptstadt Baku mit. Armenien habe dabei „schwere Verluste“ erlitten. Diese Angaben lassen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen.

Ungeachtet internationaler Appelle zur Einhaltung der Waffenruhe dauern die schweren Gefechte um die Südkaukasusregion Bergkarabach nach Angaben von Behörden an.

Krieg um Bergkarabach: Mesut Özil mischt sich ein - „Region widerrechtlich besetzt“

Erstmeldung vom 14.Oktober: Baku/Eriwan - Aserbaidschan ist in Bergkarabach weiter auf dem Vormarsch. Am Mittwoch teilte der Anführer der Region, Raik Arutjunjan, mit, dass es Aserbaidschan gelungen sei, die Front tief in das Konfliktgebiet zu verschieben. Armenien bestätigte den Kontrollgewinn einiger Gebiete durch aserbaidschanisches Militär. Die Behörden in der Hauptstadt Baku sprechen von 45 Ortschaften, die wieder von Aserbaidschan kontrolliert werden.

Eigentlich herrscht im Krieg um Bergkarabach eine Waffenruhe, doch die bröckelte von Anfang an. Am 10. Oktober hatten sich Aserbaidschan und Armenien auf die Feuerpause in der umkämpften Kaukasusregion Bergkarabach geeinigt, die mit Vermittlungshilfe von Russland ausgehandelt wurde.

Bergkarabach: Waffenruhe hielt nicht lang - EU besorgt wegen ziviler Opfer

Doch schon am Sonntagmorgen warfen sich beide Seiten Verstöße gegen die Abmachung und weitere Angriffe vor. Am Mittwoch meldeten aserbaidschanische Streitkräfte etwa, sie hätten zwei Raketenabschuss-Basen auf armenischem Staatsgebiet zerstört. Die Antwort folgte prompt: Das Verteidigungsministerium in Armenien kündigte an, sich nun die Möglichkeit offen zu halten, „jegliche militärischen Einrichtungen“ sowie Soldaten in Aserbaidschan anzugreifen.

Die Europäische Union zeigte sich wegen der brüchigen Waffenruhe besorgt, vor allem weil die militärischen Aktionen sich immer wieder auch gegen zivile Ziele richten. US-Außenminister Mike Pompeo hatte ebenfalls die beiden Staaten zur Einhaltung der Waffenruhe aufgerufen. Nach offiziellen Angaben sind seit Beginn der Gefechte rund 600 Menschen getötet worden, darunter 73 Zivilisten.

Bergkarabach: Mesut Özil gibt ein Statement auf Twitter ab - „Verlust für alle“

Am Dienstag mischte sich dann Mesut Özil ein: Auf Twitter ergriff der Fußball-Profi Partei für Aserbaidschan. Auf türkisch zitiert er den Begründer der Republik Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, mit den Worten: „Aserbaidschans Problem ist unser Problem, seine Freude ist unsere Freude.“ Dazu fügte er an: „Eine Nation, zwei Staaten“, gemeinsam mit der türkischen und aserbaidschanischen Flagge.

Zudem ergänzte er ein Schreiben auf Englisch, in dem er seinen Standpunkt klarmacht: „Mir ist es wichtig, dass jeder auf der Welt um die Tatsache weiß, dass die Bergkarabach-Region international rechtlich als Teil Aserbaidschans anerkannt, aber aktuell widerrechtlich besetzt ist.“ Er greift dabei eine Resolution der UN von 2008 auf, in der Armenien aufgefordert worden sei, Truppen aus dem aserbaidschanischen Gebiet abzuziehen. Er drängt darauf, dass diese Entscheidung „von allen anerkannt wird“. Am Schluss ruft er zu Frieden und einer Zukunft ohne Gewalt auf. „Jeder Tote auf einer der beiden Seiten ist ein Verlust für alle.“

Krieg in der Region: Seit Jahrzehnten Kämpfe um Bergkarabach

Mit seinem Statement unterstützt Özil auch die Position der Türkei, die in dem Konflikt auf der Seite Aserbaidschans steht. Armenien sieht hingegen Russland als Schutzmacht. Bereits 2018 sorgte ein Foto von Özil mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan für Aufsehen, auf dem sie gemeinsam ein Fußball-Trikot in die Kamera halten.

Anders sieht hingegen beispielsweise Martin Sonneborn, Mitglied im Europäischen Parlament und Vorsitzender der „PARTEI“, die Situation. Er sieht eine aktive Teilnahme der Türkei an dem Konflikt und wirft Aserbaidschan einen Angriffskrieg „auf die friedliche Demokratie im Kaukasus“ vor.

Vor mehr als zwei Wochen ist der Konflikt wieder voll entflammt. Die beiden Ex-Sowjetrepubliken kämpfen seit Jahrzehnten um die bergige Region, in der rund 145.000 Menschen leben. Bergkarabach gehört völkerrechtlich zu Aserbaidschan, wird jedoch seit Jahrzehnten von Armenien kontrolliert.

Rubriklistenbild: © Ismail Cozkun/AP/IHA/dpa

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