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Seit der Pandemie teils monatelange Wartezeiten bei den Fahrschulen

Fahrlehrer aus Altenmarkt: „Könnten Tag und Nacht sieben Tage die Woche arbeiten“

Fahrschulen in Pandemie-Zeiten
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Theo Mathis ist Kreisvorsitzender für den Landkreis Traunstein im Landesverband bayerischer Fahrlehrer und weiß was die aktuelle Pandemielage für die Fahrschulen in der Region bedeutet.

Seit über einem Jahr Pandemie und seit mehreren Monaten Lockdown: Theo Mathis, Fahrlehrer aus Altenmarkt weiß, dass die aktuelle Situation auch vor den Fahrschulen nicht Halt macht. Welche Aspekte die Fahrlehrer in der Region vor besondere Hürden stellt, schildert er im Interview mit chiemgau24.de.

Altenmarkt - Eine der größten Herausforderungen für die Fahrschulen in Pandemiezeiten sei der Faktor Zeit: In den Fahrschulen seien seit Beginn von Corona unglaubliche Wartzeiten entstanden, die nur schwer aufzuarbeiten seien: „Im ersten Lockdown waren es schon sehr lange Wartezeiten. Bis November aber konnten wir das alles recht gut aufarbeiten - wir standen sogar kurz davor, in unserer Branche wieder so etwas wie Normalität herzustellen. Doch dann kam der zweite Lockdown. Der dauert seitdem an und die Listen werden wieder länger“.

Altenmarkter Fahrlehrer : „Anfragen werden nicht weniger“

Teilweise müssten Schüler monatelange Wartzeiten in Anspruch nehmen, bis sie überhaupt mit dem Führerschein anfangen könnten, untermalt Mathis den Ernst der Lage: Dazu kämen diejenigen, die während des Lockdowns 18 geworden seien und endlich Auto fahren möchten - oder einen Motorrad-Führerschein machen wollen.

„Die Anfragen werden nicht weniger und im normalen Rhythmus kommen neue Leute hinzu. Das Ganze verlagert sich. Und genau da kommen wir nicht mehr hinterher“, betont Mathis und spannt den Bogen zum seit Jahren bestehenden Fachkräftemangel in den Fahrschulen. „Dieser Zustand, der sich nun seit Corona zuspitzt, ist bei allen Fahrschulen der Region erkennbar.“

„Wir haben jetzt so viel zu tun, könnten Tag und Nacht sieben Tage die Woche arbeiten und es wäre immer noch nicht genug. Jeder Fahrlehrer muss selber schauen, dass er sich nicht kaputt macht“, warnt Mathis. „Es sind einfach zu viele Fahrschüler und das führt automatisch dazu, dass die Leute unzufrieden werden, wenn sie zu lange warten müssen. Im Moment ist das Verständnis noch vorhanden, aber es ist auch klar, dass man irgendwann einmal fertig werden und seinen Führerschein besitzen möchte. Vereinzelt geht es schon los, dass die Leute ungeduldig werden. Aber wir können es nicht ändern, damit müssen die Leute leben, dass es eben einfach ein bisserl länger dauern kann.“

Theo Mathis von der gleichnamigen Fahrschule in Altenmarkt (Zweiter von links) und seine Kollegen.

Jede Fahrschule hat ein eigenes Hygienekonzept

Mathis ist seit 2002 selbständig und besitzt in Altenmarkt an der Alz eine eigene Fahrschule. Seit 2011 ist er Kreisvorsitzender für den Landkreis Traunstein im Landesverband bayerischer Fahrlehrer und daher auch in regem Kontakt mit Kollegen. „Wir sind im Moment nicht an einen bestimmten Inzidenzwert gebunden, dürfen unter den geltenden Hygienevorschriften geöffnet haben. Jede Fahrschule hat hierfür ein eigenes Hygienekonzept entwickelt.“

Die meisten hätten demnach im Unterrichtsraum die Plätze halbiert, sodass nur noch die Hälfte der Schüler Platz findet und so der Abstand im Unterricht gewahrt werden könne. Dies aber stelle gerade in vielen kleinen Schulen - wie auch in Mathis Fahrschule in der Gemeinde an der Alz - ein Problem dar: Denn durch diese Maßnahme können nur mehr wenige Leute untergebracht werden: „Da entstehen für den Theorieunterricht extreme Wartzeiten und es funktioniert nur mit Voranmeldung, damit die Plätze optimal belegt werden können.“

Pausen zu Lüften und Desinfizieren zwischen den Fahrstunden verlängern den Arbeitstag

Die Nachverfolgung der Kontakte sei in den Fahrschulen indes kein Problem: Die Schüler seien angemeldet, alle Daten hinterlegt. Die Fahrschüler müssen sowohl im Theorie- als auch im Praxisunterricht zwingend eine FFP2-Maske tragen, die Fahrlehrer hingegen dürften auch mit medizinischen Masken arbeiten.

„Manche Kollegen handhaben es so, ihre Schüler mit Handschuhen fahren zu lassen, andere wiederum greifen nurmehr auf ausreichend Desinfektionsmittel zurück. Was nicht mehr geht, ist ein fließender Übergang von einem Fahrschüler zum nächsten, so wie es häufig vor der Pandemie der Fall war“, erklärt Mathis weiter. „Wir müssen zwischendrin bis zu einer halben Stunde lang Pause machen, das Auto durchlüften und desinfizieren. Das verlängert unseren Arbeitstag natürlich nach hinten hinaus.“

Der Ausnahmefall, in dem mehr als zwei Leute in einem Auto sitzen, sei die Prüfung: Denn der Prüfer muss schließlich anwesend sein. Auch hier genügen Masken, ein Test ist bei den Fahrschulen generell nicht notwendig. Lediglich wer Angestellte in seiner Fahrschule beschäftigt, der muss, wie Arbeitgeber in anderen Betrieben auch, zwei Mal pro Woche Testmöglichkeiten zur Verfügung stellen. Für die Schüler aber gibt es hierzu seitens der Regierung keine verpflichtenden Vorgaben.“

Digitalunterricht eine Alternative für die Fahrschulen?

Von Online-Unterricht statt Präsenz-Unterricht vor Ort hält der Altenmarkter Fahrlehrer wenig. „Das war zunächst nicht vorgesehen und in Bayern auch gar nicht erlaubt. Viele Fahrschulen wollen das auch nicht“, unterstreicht Mathis. „Bei generellem Online-Theorie-Unterricht hätten wir Fahrlehrer die Befürchtung, dass sich das alles irgendwann auf sehr große Fahrschulen zentriert, die beispielsweise mit Sitz in Berlin den Unterricht zu unglaublich günstigen Preisen steuern. So blieben uns die Schüler nur mehr für den Praxisunterricht und das möchten wir nicht. Es geht ja beim Fahren lernen auch darum, dass sich Schüler und Lehrer vis-à-vis und persönlich kennenlernen.“

Inzwischen würde es zwar auch in Bayern Möglichkeiten für Online-Unterricht geben, doch aufgrund von Genehmigungen und Beantragungen würden das nur wenige Schulen in Anspruch nehmen, bekräftigt Mathis. Theorie-Unterricht mit passendem Equipment zu streamen sei schließlich auch mit erheblichen Kosten verbunden, die gerade kleinere Fahrschulen nicht stemmen könnten.

Dazu komme die oftmals langsame Internet-Verbindung auf dem Land. Darüber hinaus dürfe man nur maximal so viele Schüler online unterrichten, wie sie auch in der Schule vor Ort Platz hätten. „Das ist alles sehr stark reglementiert, weshalb gar nicht so viele mit aufgesprungen sind auf diesen Zug“, schließt der Fahrlehrer seine Erklärungen.

Dauert der Führerschein länger, wenn Pausen wegen des Lockdowns entstehen?

Generell komme es hier bei den Schülern auf ihren Ausbildungsstand an, beantwortet Mathis diese Frage: „Je höher der Ausbildungsstand ist, desto weniger verlernt man. Ganz schlimm war es bei denjenigen, die kurz vorm Lockdown erst ein, zwei Fahrstunden hatten: Die fangen quasi wieder bei Null an mangels Übung und fehlender automatisierter Bewegungsabläufe. Natürlich ist man aus der Übung, wenn man einige Wochen pausieren muss und noch nicht die klassische Routine hat. Diejenigen, die kurz vor der Prüfung standen aber kamen durchaus schneller wieder rein und waren dann selbst positiv überrascht.“

Auch für die Fahrlehrer ist die Situation nicht leicht: „Gerade für die Selbstständigen war es zu Beginn der Pandemie hart, da staatliche Hilfen sehr auf sich warten ließen. Wir sind eine Branche, die durch den Fuhrpark unglaublich hohe Fixkosten zu stemmen hat. Stehen die Fahrzeuge, kostet uns das wahnsinnig viel Geld durch die Leasing-Raten. Sehr viele meiner Kollegen befanden sich dadurch arg in der Bredouille. Ich weiß von vielen, die sich privat Geld ausgeliehen haben oder Kredite aufnehmen mussten, weil nach ein paar Monaten die Reserven knapp geworden sind. Hilfe vom Staat ist beispielsweise bei mir persönlich erst eingegangen, als wir schon wieder arbeiten durften.“

Mathis hofft, dass sich die Lage mit steigender Impfquote bessert. Er sei allerdings ein bisserl traurig darüber, dass seine Berufsgruppe gar nicht priorisiert worden sei. „Mich wundert es, dass man uns auf der Liste nicht weiter oben angesetzt hat. Das Risiko einer Infektion bei uns ist relativ hoch, da wir im Auto über einen längeren Zeitraum nah beinander sitzen. Außerdem haben wir mit vielen jungen Leuten zu tun, die ja jetzt auch stärker betroffen sind. Fast wöchentlich fällt ein Schüler aus, weil er 14 Tage in Quarantäne muss.“ Dennoch blickt er verhalten optimistisch in die Zukunft - es bleibt ihm schließlich auch nichts anderes übrig.

mb

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