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Vor der Vereinsabstimmung

Die Konsequenzen im Amateurfußball: Ungerechtigkeit oder Chaos nach Abstimmung

Der SV Erlbach darf noch auf den Aufstieg hoffen.
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Der SV Erlbach darf noch auf den Aufstieg hoffen.

Der Bayerische Fußball-Verband lässt seine Vereine darüber abstimmen, ob die abzubrechende Saison ohne Absteiger gewertet wird. Das könnte weitreichende Konsequenzen für die Spielklassen in den nächsten Jahren haben.

Rosenheim/Mühldorf – Nur Aufsteiger und keine Absteiger – es klingt verlockend, was der Bayerische Fußball-Verband (BFV) seinen Vereinen nach dem Abbruch der „Corona-Saison“ 2010/21 anbietet. Doch die Konsequenzen dieser Entscheidung für den Amateurfußball würden auf Jahre zu spüren sein.

Eigentlich steht seit neun Monaten in der Spielordnung, wie Auf- und Absteiger nach einem Saisonabbruch zu ermitteln sind: Wer nach der Quotientenregelung auf einem Aufstiegsplatz steht, steigt auf, Vereine auf einem Abstiegsplatz müssen runter. Eine Relegation gibt es nicht. Doch nach Protesten von Hunderten Vereinen – vor allem Abstiegskandidaten – lässt der BFV die Vereine entscheiden. „Man kann nachvollziehen, dass einige das als unsportliche Regelung empfinden“, sagt BFV-Vizepräsident Robert Schraudner (München).

Großzügiger Alternativvorschlag

Eine von ihm geleitete Arbeitsgruppe hat deshalb einen großzügigen Alternativ-Vorschlag vorgelegt, „um das einigermaßen fair zu lösen“, wie Schraudner sagt: Alle Vereine auf einem Aufstiegs- oder Relegationsplatz können aufsteigen, Absteiger gibt es nicht. Wenn sich bis 18. Mai eine Mehrheit der 4500 Vereine dafür entscheidet, will der Verband das auf einem außerordentlichen Verbandstag am 8. Juni so beschließen. Dabei hatte BFV-Präsident Rainer Koch vor kurzem vor den Folgen gewarnt: „übervolle Ligen“ in den nächsten Jahren und ein verschärfter Abstieg, der für viele einen brutalen Kampf um den Klassenerhalt bedeutet. Die Vereine haben praktisch die Qual der Wahl – zwischen Ungerechtigkeit und Chaos.

Bis zu 23 Teams in der Regionalliga?

„Man muss wissen, welche Auswirkungen das hat“, mahnt Jürgen Faltenbacher (Waldsassen), der im BFV-Präsidium für den Spielbetrieb zuständig ist. „Die Unzufriedenen schreien immer am lautesten. Aber letztlich betrifft das alle.“ Die Rechnung ist einfach: Die Regionalliga müsste in der kommenden Saison mit 21 bis 23 Mannschaften spielen – je nachdem, ob der Meister in die 3. Liga aufsteigt und nach der SpVgg Unterhaching auch die zweite Mannschaft des FC Bayern München absteigt. Folgt der BFV seiner Spielordnung, wären es drei weniger.

In den beiden Bayernligen würden 20 und 21 (statt jeweils 18) Mannschaften antreten, in den fünf Landesligen sogar je 22. Mit regulären Auf- und Absteigern wären es dagegen 18 oder 19. Und selbst in den drei oberbayerischen Bezirksligen müsste mit 19 oder 20 Vereinen gespielt werden statt der üblichen 15 oder 16.

Saisonstart Mitte Juli ist fraglich

Dass das in einer womöglich immer noch von der Corona-Pandemie überschatteten Saison 2021/22 nicht machbar ist, weiß auch der BFV. 40 Spieltage lassen sich schon in einem normalen Jahr nicht unterbringen, geschweige denn, wenn ein lokaler Corona-Ausbruch oder eine Quarantäne für eine Mannschaft den Terminkalender durcheinanderbringt. Ob es wie sonst Mitte Juli losgehen kann mit der neuen Saison, steht nach der langen Pause ebenfalls in den Steuern. Deshalb tüfteln die BFV- Spielleiter schon an alternativen Spielsystemen, die eine kürzere Saison möglich machen.

Andreas Mayländer (Teisendorf) hat seinen Bayernligisten sein favorisiertes System kürzlich schon vorgestellt (die OVB Heimatzeitungen berichteten): Danach würde die Bayernliga Süd im Herbst in zwei Gruppen mit je zehn Mannschaften geteilt. Die ersten Fünf aus jeder Gruppe spielen nach der Winterpause um den Aufstieg (Play-off), der Rest um den Klassenerhalt (Play-down). Die Punkte gegen die Vereine, gegen die man im Herbst bereits gespielt hat, werden mitgenommen – es geht also nur noch gegen die fünf Teams aus der anderen Vorrunden -Gruppe. Jede der aufgeblähten Landesligen müsste womöglich sogar in drei Gruppen geteilt werden. Jede Liga, jeder Bezirk soll das Spielsystem nach bestimmten Vorgaben selbst auswählen.

Bis 2023 wieder auf „Normalmaß“

Innerhalb von zwei Jahren, also bis 2023, sollen die Ligen wieder auf „Normalmaß“ schrumpfen. Aus den fünf Landesligen etwa müssten bis dahin dann 20 Mannschaften mehr absteigen als aufsteigen können, in den Bezirksligen müssten statt drei rechnerisch fünf Vereine pro Saison zurück in die Kreisligen.

Größter Gewinner unter den heimischen Vereinen wäre der SV Erlbach, der als Quotienten-Zweiter der Landesliga doch noch den Sprung in die Bayernliga schaffen würde. Tabellenführer Eintracht Karlsfeld würde übrigens trotzdem nicht aufsteigen, nach der Quotientenregelung ist er nur Dritter hinter Hallbergmoos und Erlbach. „Härtefälle gibt es bei jeder Lösung“, sagt Faltenbacher. In der Bezirksliga würden der abgeschlagene VfL Waldkraiburg und der TSV Teisendorf dem Abstieg in die Kreisliga entgehen. Für den TSV 1880 Wasserburg würde es nicht zum Aufstieg in die Regionalliga reichen – er ist in der Quotiententabelle nur Dritter hinter Pipinsried und Deisenhofen. (re)

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